
es ist ja nicht so, dass ich jemals ein kind von traurig war. und es ist ja auch nicht so, dass ich nicht schon eine menge gehört, gesehen und vor allem erlebt hätte und es gewohnt bin – einfach immer die ruhe zu bewahren. aber wenn ich einen hätte, dann würde mir der puls jetzt doch gewaltig in die höhe schnellen. was aber momentan aber am schlimmsten ist – mein trotz diverser und jahrelanger exzesse eigentlich gut funktionierendes gedächtnis macht auf einmal auch nicht mehr so mit, wie es sollte. nach zwei uhr morgens in irgendwelchen clubs, in irgendwelchen kneipen oder fremden küchen schnappt man die dollsten stories auf. solche stories, die irgend etwas wichtiges – also was die eigenen eltern immer für wichtig gehalten haben – direkt aus dem hirn schupsen und sich in dieser freigewordenen windung dann direkt einnisten. aber so sehr ich jetzt auch versuche in eine dieser windungen zu kommen – es gelingt mir einfach…
verdammt noch mal. irgend ein möchtegern-freund muss mir doch in einer dieser unzähligen durchsoffenen nächte etwas halbwegs vergleichbares in eines meiner halbtauben ohren gelallt haben…
aber nix is. ich kann es drehen und wenden wie ich will. ich kenne keinen, der schon einmal tot neben sich selber aufgewacht ist oder jemanden, der davon erzählt hat, dass er jemanden kennt, der jemanden kennt, der von jemandem gehört hat, dass jemand einem bekannten erzählt haben könnte, dass derjenige jemanden kennt – ach mist! weder puls noch gedächtnis von mir. also mir neben mir. also weder puls noch gedächntnis von mir neben mir funktionieren – aber im abschweifen bin ich selbst in dem zustand noch grandios…
das nützt mir nur jetzt rein gar nichts. man versucht sich in seinem eigenen kümmerlichen leben ja auf eine menge vorzubereiten. was ist, wenn man doch noch mit mitte zwanzig in die pubertät kommt. was, wenn einem morgen keira knightley beim bolle um die ecke entgegenkommt oder einen auf einmal doch alle mögen. aber auf so etwas. hätte ich das mal eher gewusst. jetzt sitzt ich also da. also sitzend neben mir liegend. oder liegend neben mir sitzend. einer von uns auf jeden fall…
ich wäre dann vielleicht nicht wie üblich nackt schlafen gegangen. ich hätte mir ein paar telefonnummern zurecht gelegt. aber wen ruft man in so einem fall dann an? hey mama, alles ok – ich liege nur tot neben mir… wenn man selber weiß, das man tot ist, muss man dann einen arzt rufen, der einem das gewusste noch einmal schriftlich bestätigt? macht man sich gar selber verdächtig? auf, nun gestehen sie schon, dass sie sich selber getötet haben… also doch lieber direkt einen anwalt oder mache ich mich direkt noch verdächtiger, wenn ich neben einem toten selbst mit einem anwalt im schlepptau ankomme…
wer hätte gedacht, dass tot neben sich selber aufwachen so viele fragen aufwirft. ok – eine muss ich nicht mehr stellen. ich kenne meinen namen und ich muss mir keinen kaffee anbieten. aber ein problem bleibt gleich. wie werde ich mich jetzt los? ich kann mir nicht selber versprechen mich anzurufen. das glaube ich mir selber nicht einmal. ich weiß, das ich nicht einmal meine eigene nummer kenne. hey – ich schreib dir ne mail. und wenn ich mich jetzt selber noch einmal noch einmal selber selber sagen höre, dann – mist! ich schweife schon wieder ab…
und damit wäre ich schon wieder bei meinem ersten problem. nein, beim zweiten. ich habe es aufgegeben mein totes hirn mit der frage zu quälen, wie ich in diese lage kommen konnte. aber ich liege immer noch nackt neben mehr. und ich habe für solche gelegenheiten einfach nichts passendes da. und schon gar nichts frisches aus der reinigung. brauche ich überhaupt noch etwas? und wenn ja, muss das dann unbedingt gebügelt sein? vielleicht sollte ich als aller erstes jemanden anrufen, der mir etwas zum anziehen besorgt – was auch immer…
hm – wenn mich jemand früh morgens anrufen würde und mir mitteilt, dass er tot neben sich liegt und dringend etwas ordentliches zum anziehen braucht – würde ich mir dann sorgen um mein geld machen? vielleicht sollte ich eine kreditkarte parat legen. ich könnte mein ehemals wichtigstes teil damit zumindest verdecken. ja. ihr müsst gar nicht so mitleidig grinsen. wenn man tot ist sieht der (oh wunder) noch kleiner aus als sonst. aha – selbst in dem zustand denkt man(n) also weiter über so was nach. eigentlich beruhigend zu wissen, dass manche dinge bestand haben. blöde wortwitze wohl auch…
ich weiß, ich schweife schon wieder ab. ich liege immer noch tot neben mir und bin noch keinen schritt weiter. ich bin immer noch nackt, nur etwas kälter und steifer und eigentlich ist mir das alles zu viel und eigentlich macht mich nur eine einzige sache wirklich fertig. diese panische angst, dass der depp, der da tot neben mir liegt am ende dann doch die da drüben auf dem sofa – die, die mich die ganze zeit mit übereinandergeschlagenen beinen aus ihren blitzenden augen anstarrt. beine, die jeden toten wieder zum leben erwecken könnten… also dass genau die da drüben nicht mich, sondernd den deppen neben mir heute abend ficken wird.
das – und nur das – macht mich wirklich fertig…